Fresko
Restaurierungsarbeiten

Knechtsteden (hs) – "Plopp. Plopp, plopp." Wie hohler Karton klingt es, wenn Uta Riecke vorsichtig mit dem Knöchel des Zeigefingers an das romanische Deckenfresko in der Westapsis der Knechtstedener Basilika klopft. Ein äußerst Besorgnis erregendes Geräusch, das sich leider auch nicht nur auf einzelne Stellen beschränkt. "Plopp" macht es bei der zentralen Gestalt des Erlösers, die das um 1160 von einem unbekannten Künstler geschaffene Kirchengemälde beherrscht. "Plopp" ertönt es aus dem Sphärenbogen, auf dem Christus thront. "Plopp" antworten genauso der Löwe und die anderen Wesen aus der Geheimen Offenbarung des Johannes, die den Heiland umgeben. Fast überall droht die Darstellung – angeblich das größte romanische Fresko am Niederrhein und sicher der bedeutendste Schmuck der Basilika – herabzustürzen. Teilweise haben sich schon dicke Beulen gebildet, die Risse sind gar nicht mehr zählbar.

"Der Zustand des Kunstwerks ist dramatisch", stellt Diplom-Restauratorin Riecke in nüchternem Tonfall fest. Weil der Putz sich breitflächig vom Innengewölbe gelöst hat, beschlossen sie und ihre Kollegen bei der Aufnahme der Schäden den umgekehrten Weg zu gehen und lediglich die intakten Bereiche des Freskos in Karten zu verzeichnen. "Christus hängt nur noch am Bartzipfel und an dem (Lebens-)Buch in seiner Hand", diese einprägsame Formulierung hatte in der Vergangenheit bereits Pater Hermann-Josef Reetz, zuständig für bauliche Koordination beim Spiritanerorden, geprägt. "Höchste Zeit, dass hier etwas getan wird", denkt auch Fachfrau Riecke.

Seit Dezember ist es so weit. Baugerüste ragen seither in der Westapsis der Basilika auf. Auf mehreren Etagen können sich die Experten der beauftragten Restauratorenwerkstatt Georg Maul aus Köln hier an die Arbeit machen. Erste Ergebnisse sind bereits deutlich sichtbar. Nach exakter Untersuchung des Kunstwerks haben die Restauratoren es mit Spezialschwämmen behutsam abgetupft und trocken gereinigt. "Das Gemälde war voller Spinnweben und Rußpartikel", sagt Uta Riecke. Jetzt wirkt das Fresko wesentlich heller und leuchtender in den Farben. Der Unterschied zwischen vorher und nachher lässt sich an einigen absichtlich belassenen Stellen noch begutachten. "Der Erfolg ist ganz beachtlich", zeigte sich Uta Riecke zufrieden. Ein aufgetragenes Festigungsmittel soll die Malereien für die Zukunft auch besser konservieren.

Die wichtigste Aufgabe besteht aber im Beseitigen der Hohlstellen unter dem Putz. Vorsichtig bohren die Restauratoren kleine Löche und spritzen ein Kalkbindemittel durch Kanülen ein. Fehler dürfen ihnen dabei nicht unterlaufen, da das Präparat sich von der Bildoberfläche kaum noch entfernen ließe. Zahlreiche Kupferklammern, die zum Teil übermalt sind, zeugen von Erhaltungsbemühungen schon in der Vergangenheit. Lange Zeit war das mittelalterliche Fresko den Blicken der Kirchenbesucher entschwunden, man hatte es einfach mit einer Rokoko-Ausstattung überdeckt. Erst 1882 wurde es zufällig wiederentdeckt. Der Grund: Nachdem die Knechtstedener Kirche 1866 gebrannt hatte, drang Wasser in großen Mengen durch die zerstörten Dächer ein und brachte das ursprüngliche Kunstwerk wieder zum Vorschein. 1887 wurden seine Farben aufgefrischt und die Kupferklammern angebracht, 1949-51 ließ man das Gemälde noch einmal mit Regenwasser abwaschen.

Heute gehen die Restauratoren mit wesentlich feineren Methoden zu Werke. Bis Sommer haben sie Zeit für ihre Arbeit, dann sollen draußen Bagger anrücken und die löchrige Asphaltdecke von der Klosterzufahrt abreißen. Wie berichtet, sind im Rahmen der Euroga 2002 neue Basaltpflasterwege in Knechtsteden geplant. Bevor es beim Herausbrechen des Asphalts zu Erschütterung kommt, muss das empfindliche Fresko erst ordentlich gesichert sein.

Artikel aus: Rheinischer Anzeiger online, 16.1.2001

Die Arbeiten wurden Anfang Dezember 2001 abgeschlossen und das Fresko erstrahlt mittlerweile wieder in neuem Glanz. [ zum Fresko... ]

 





 
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